Vierte Reise Tag 3: Schleier der Horizonte

Valparaíso ist eine Stadt voller Geschichten, und heute bin ich durch sie hindurch spaziert. Die Wandmalereien entlang des Cerro Alegre und des Cerro Concepción erstrecken sich über Mauern, Treppen und Ecken, einige lebhaft und verspielt, andere ruhig und introspektiv. Jedes Werk wirkte wie ein Gespräch zwischen dem Künstler und der Stadt – ein Kaleidoskop von Stimmen, die sich im Laufe der Zeit überlagert haben.
Ich ließ mich ohne Plan von den Straßen leiten und schlenderte durch enge Gassen und über steile Treppen. Ein Wandgemälde zog meine Aufmerksamkeit besonders auf sich: das Gesicht einer Frau, umgeben von Vögeln und Blumen, ihr Blick ruhig und doch distanziert. Ich stand eine Weile da, skizzierte sie in meinem Notizbuch und versuchte, einen Ausschnitt dieses Moments festzuhalten.
An einer Stelle hielt ich an einem kleinen Aussichtspunkt, von dem aus man auf die Häuser blickte, die sich in allen erdenklichen Farben zum Hafen hinunter erstreckten. Der Wind trug die Geräusche der Möwen und fernes Lachen vom Hafen hinunter herauf. Ich saß eine Weile dort, genoss die Aussicht und fühlte mich zufrieden in ihrer Einfachheit.
Hier herrscht ein Gefühl der Freiheit – eine Stadt, in der die Mauern sprechen und Kunst keine Erlaubnis braucht, um zu existieren. Es ist ein Ort, der Unvollkommenheit begrüßt, und ich fühlte mich dort wie zu Hause.