Fünfte Reise, Tag 113: Der Weinberg, der nicht erschien

Abstract painting suggesting absent vineyard rows and Bardouni River light in the Bekaa Valley, Zahle, Lebanon

„Der Weinberg, der nicht erschien“ – Das Licht des Flusses und die Luft des Spätsommers lassen den Weinberg eher erahnen als sehen.

Datum: 29. August 2025
Ort: Zahle, Libanon

An diesem Nachmittag in Zahle, im libanesischen Bekaa-Tal, entfaltete sich neben dem Bardouni-Fluss. Die trockene Bergbrise traf auf die Kühle des Flusses – eine Kombination, die das Café-Leben hier am Rande der Weinberge im Spätsommer und der bevorstehenden Weinlese prägt.

Die Bergbrise und das Licht des Flusses

Ich verbrachte den größten Teil des Nachmittags in einem Café am Bardouni-Fluss unter einigen Bäumen. Das Wasser floss stetig und leise, sein Rauschen füllte den Raum zwischen den Gesprächen. Die Luft fühlte sich warm an, wenn es ruhig war, und kühl, wenn der Wind wieder auffrischte. Mein Kaffee wurde in einer kleinen Tasse aus Porzellan serviert. Der Kaffee war stark und dickflüssig. Er war so heiß, dass ich die Hitze in meiner Hand spürte. Das brachte mich dazu, langsamer zu werden.

Leise Gespräche am Wasser

Familien und Paare saßen noch an ihren Tischen und unterhielten sich lebhaft und ungezwungen. Ich musste nicht jedes Wort verstehen, der Rhythmus reichte mir. Der Fluss fing die Sonne in zerbrochenen Stücken ein und verstreute sie wie lose Münzen über die Oberfläche. Ich skizzierte diese Fragmente nicht als konkrete Formen, sondern als Zeichen des Rhythmus – kurze Unterbrechungen des Lichts vor einem dunkleren Hintergrund.

Der Weinberg, der nicht erschien

Die Weinberghänge erhoben sich knapp außerhalb des Blickfeldes, aber ihre Präsenz war in der Luft zu spüren: Der Duft reifender Früchte vermischte sich mit dem Staub und verlieh dem Tal eine süße und zugleich trockene Note. Ich dachte darüber nach, dass Orte zwei Seiten haben – wie Stein und Wasser, Hitze und Brise, Lärm und Stille – und dass Ankommen bedeutet, zu lernen, sie alle miteinander in Einklang zu bringen.

Den Tag sich entfalten lassen

Als das Licht weicher wurde, fühlte ich mich weniger wie ein Besucher, sondern eher wie jemand, der Teil des Tals war. Es passierte nichts Großes, aber vielleicht war das das Geschenk des heutigen Tages: die Fähigkeit, sich dem Fluss des Lebens hinzugeben und den Tag ohne Anstrengung entfalten zu lassen.

Reiseaufzeichnungen

  • Wetter: Warm, etwa 29 °C; trockene Bergbrisen; kühler Schatten in der Nähe des Bardouni; ein blasser, sonnengebleichter Himmel mit schwachen, tief hängenden Wolken am Horizont.
  • Düfte: Reifende Trauben und Talstaub vermischen sich mit dem intensiven Aroma von starkem libanesischem Kaffee; ein Hauch von frischer Flussluft.
  • Geräusche: Gleichmäßiges Plätschern, lebhafte Tischgespräche, das Klirren von Porzellantassen und das Rascheln von Blättern, als die Brise zurückkehrte.
  • Reflexion: Die heutige Skizze ist eher Rhythmus als Darstellung – Licht als kurze Unterbrechungen, eine Möglichkeit, die Gegensätze des Tals zu verbinden, ohne sie zu erzwingen.

Setzen Sie die Reise fort

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