Fünfte Reise, Tag 13: Die Abwesenheit von Dringlichkeit

Datum: 21. Mai 2025
Ort: Nuuk, Grönland
Ich kam in Nuuk an, unter einem dunklen, wolkenlosen Himmel, der tief über dem Fjord hing. Die Luft war kalt und scharf und roch nach Meer und Eis. Meine Stiefel knirschten, als ich über nassen Kies und rutschige Steine ging. Ich ging langsam auf das Wasser zu. Die Stadt selbst schien von einem dünnen Faden gehalten zu werden: bunte Holzhäuser in Gelb- und Rottönen, die sich still gegen die riesige Landschaft um sie herum abzeichneten. Es war kein Verkehrslärm zu hören. Man hörte nur gelegentlich den entfernten Ruf von Seevögeln und das leise, rhythmische Plätschern des Wassers gegen die Steine.
Ich hatte keine Lust, die Gegend zu erkunden. Stattdessen ließ ich mich einfach entspannen. Ich fand eine Felsformation, die etwas Schutz vor dem Wind bot, setzte mich hin und schaute einfach nur zu. Die flache Weite des Fjords erstreckte sich unter einem trüben, grauen Licht. Kleine Eisberge trieben ziellos dahin, ihre Kanten durch den Nebel weich gezeichnet. Mein Atem kam mir laut vor, fast wie eine Störung. Die Zeit schien langsamer zu vergehen. Ich nahm mir Zeit und konnte keinen Unterschied zwischen den Texturen von Wasser, Stein und Himmel erkennen. Sie verschmolzen zu einer einzigen Oberfläche mit verschiedenen kühlen, körnigen Farbtönen.
Heute gab es keine Eile. Das Einzige, was da war, war die Gegenwart. Ich hatte das seltsame Gefühl, dass ich im Hintergrund verschwand, als würde ich von der ruhigen Atmosphäre Nuuks absorbiert werden. Ich ließ mein Skizzenbuch ungeöffnet. An manchen Tagen besteht die Übung aus Beobachtung.
Ich ging zurück, als der Abend hereinbrach, und das blasse Licht blieb länger als erwartet. Ich glaube, morgen werde ich bereit sein, wieder weiterzuziehen – um das, was ich heute gelernt habe, auf greifbare Weise auszudrücken. Im Moment spüre ich die Schwere dieses Ortes in meiner Brust.