Fünfte Reise, Tag 18: Der Hund drehte sich nicht um

Datum: 26. Mai 2025
Ort: Sisimiut, Grönland
Heute Morgen folgte ich dem Weg, der entlang des Bergrückens verläuft, gleich hinter der letzten Häuserreihe. Es fühlte sich an, als würde ich aus einer Geschichte heraustreten – es gab keine Schilder oder Zäune, nur einen gleichmäßigen Hügel und steinigen Boden unter meinen Füßen. Die Stadt verschwand hinter mir. In den Vertiefungen der Felsen lag noch Schnee. Der Schnee war weich und körnig und begann bereits zu schmelzen.
Von oben sieht die Stadt Sisimiut verstreut, aber geplant aus. Die bemalten Häuser scheinen vom Wind und einer stillen Entschlossenheit an ihrem Platz gehalten zu werden. Boote ruhen auf Holzstützen in der Nähe des Wassers. Einige haben einen blanken Rumpf, während andere noch halb mit Planen bedeckt sind, wie Ideen, die noch in der Entwicklung sind. Der Hafen hat einen seltsamen Rhythmus – oben ist es ruhig, dann gibt es plötzlich heftige Bewegungen von Möwen, Fischern oder Maschinen. Es gab kein Chaos, nur eine Überraschung.
Ich saß fast eine Stunde lang auf einem Felsen. Ich hielt meine Hände in den Taschen. Ich hatte keine Lust zu zeichnen. Ich beobachtete die Wolken, die sich wie Gedanken bewegten, an denen ich nicht festhalten musste. Zwei Hunde kamen vorbei. Der eine trug etwas im Maul, der andere war still und folgte dicht hinterher. Sie sahen mich nicht an.
Ich dachte über Stille nach. Manchmal bedeutet Stille nicht, sich nicht zu bewegen. Es bedeutet, alles um sich herum zuzulassen, ohne zu versuchen, es zu kontrollieren. Darüber dachte ich auf dem Rückweg nach.
Heute gibt es kein Kunstwerk, zumindest nicht im üblichen Sinne. Aber mir ist etwas aufgefallen, das sich wahrscheinlich bald auf meine Malerei auswirken wird. Heute ging es nicht darum, etwas festzuhalten. Es ging darum, wieder in die Spur zu kommen.
Morgen bin ich bereit, wieder anzufangen.