Fünfte Reise, Tag 28: Der ruhende Punkt in der kreisenden Luft

Datum: 5. Juni 2025
Ort: Sørvágur, Färöer-Inseln
Der Weg zum See Sørvágsvatn dauerte länger als erwartet, aber vielleicht kam er mir wegen des Windes nur länger vor. Der Schotterweg schlängelte sich gemächlich, ohne Eile, an Schafweiden und niedrigen Steinmauern entlang. Alles war feucht – das Moos, die Felsen mit ihren Flecken aus Flechten und sogar das Holz der Tore, durch die ich ging. Jede Oberfläche schien Jahrzehnte des Regens in sich aufgesogen zu haben.
Als ich den Rand des Sees erreichte, der über dem Meer zu schweben schien, musste ich mich gegen den starken Wind ducken. Die Illusion ist nicht perfekt, aber das muss sie auch nicht sein. Das Meer sah weit entfernt und unerreichbar aus. Das Rauschen des Windes und des Wassers unter mir machte es mir schwer, klar zu denken. Man muss nicht zu viel darüber nachdenken oder etwas ändern – man muss einfach nur man selbst sein.
Eine Möwe kreiste in der Luft über der Klippe. Sie war mitten in der Bewegung vollkommen still. Heute habe ich nicht gezeichnet. Ich habe das Papier in meiner Tasche gelassen. Beobachten war genug. Ich sah, wie sich die Farbe des Himmels hinter dem Vogel veränderte. Ich sah das weiße Wasser weit unter mir. Ich sah, wie der Weg hinter mir lautlos verschwand.
Ich glaube, es war ein Gefühl der Ausgeglichenheit – eines, das kein Glück verlangt, sondern etwas im Inneren stabilisiert. Vielleicht male ich morgen aus der Erinnerung oder aus dem Geruch, den mein Mantel noch immer schwach nach Meer und nassem Gras verströmt.
Im Moment bin ich auf angenehme Weise müde. Ich spüre noch immer das Salz auf meiner Haut. Der Wind hat endlich aufgehört, gegen das Fenster zu klappern.